18. Juli 2022

Singles und Familien müssen am meisten für ihre Wohnungen zahlen – München ist Spitzenreiter

Singles und große Familien zahlen in Deutschland die höchsten Quadratmetermieten. Das ist das zentrale Ergebnis einer aktuellen Analyse der empirica regio GmbH. Vor allem in den großen Städten und Metropolen, den sogenannten A-Städten, müssen große Familien mehr als andere für die Miete aufwenden.

Sie zahlen für Wohnungen mit fünf oder mehr Zimmern 13,71 Euro pro Quadratmeter, Einzimmerwohnungen sind für durchschnittlich 13,50 Euro pro Quadratmeter zu haben. Beides liegt über dem Durchschnittsmietpreis von 12,79 Euro pro Quadratmeter. Zweizimmerwohnungen (12,21 Euro je m²), Dreizimmerwohnungen (12,05 Euro je m²) und Vierzimmerwohnungen (12,77 Euro je m²) sind günstiger.

Doch auch in den etwas kleineren Städten wird dieser Trend deutlich: Dort sind ebenfalls Einzimmerwohnungen und solche mit fünf oder mehr Zimmern teurer als andere Wohnungen. Die Erhebung des Wirtschafts- und Immobiliendatenanbieters empirica regio legt nahe, dass gerade in Wachstumsregionen die höchsten Quadratmeter-Mietpreise für single- und familienfreundliche Wohnungen aufgerufen werden. In Stagnations- und Schrumpfungsregionen hingegen sind gerade Singlewohnungen mit einem oder zwei Zimmern hoch im Kurs.

Insgesamt waren 2021 im Durchschnitt 9,84 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter für eine Einzimmerwohnung fällig. Wohnungen mit fünf oder mehr Zimmern wurden mit 8,78 Euro pro Quadratmeter gehandelt. Wohnungen mit zwei Zimmern lagen hingegen bei 8,72 Euro, mit drei Zimmern bei 8,41 Euro und Vierzimmerwohnungen bei 8,42 Euro.

Mietdynamik in den Ballungszentren weiterhin hoch

Beim Vergleich der Metropolen führt München das Feld deutlich an, dort werden deutschlandweit die höchsten Preise aufgerufen. So wird für Einzimmerwohnungen in der bayerischen Landeshauptstadt ein Quadratmeterpreis von durchschnittlich 20,55 Euro aufgerufen. Auch familienfreundliche Wohnungen mit fünf oder mehr Zimmern sind dort deutlich teurer als im Rest Deutschlands (18,40 Euro je m²).

Quelle: empirica regio (eigene Berechnung; Basis: VALUE Marktdatenbank)

Gleichzeitig ist die Mietdynamik in den Ballungszentren weiterhin hoch. Gerade im Bereich der großen Wohnungen zeigt sich eine überdurchschnittliche Mietentwicklung. Für fünf oder mehr Zimmer legten die Mieten in den A-Städten im Durchschnitt von 2020 auf 2021 um 5,9 Prozent zu. Für Einzimmerwohnungen waren es nur 3,6 Prozent. Auch andere Wohnungstypen lagen unter dieser Dynamik: Zweizimmerwohnungen (+3,3 Prozent), Dreizimmerwohnungen (+2,8 Prozent) und Vierzimmerwohnungen (+4,2 Prozent).

Zu wenige Familienwohnungen im Neubau

Was bedeutet dieses Ergebnis? „Wir sehen, dass gerade in Großstädten zu wenige familienfreundliche Wohnungen gebaut werden“, sagte Jan Grade, Geschäftsführer von empirica regio. Dies treibe diese potenziell kaufkräftige und für die Stadtentwicklung wichtige Gruppe der jungen Familien ins Umland, so Grade weiter. „Für Städte wird das auf Dauer ein Problem, wenn nicht mehr Angebot geschaffen wird.“

Gemäß der Analyse von empirica regio gingen die Baufertigstellungen von Wohnungen mit vier oder mehr Zimmern (hier einschließlich Ein- und Zweifamilienhäuser) in den A-Städten im Vergleich der Fünfjahreszeiträume 2011 bis 2015 und 2016 bis 2020 von durchschnittlich 8.500 Wohnungen pro Jahr auf 6.700 Wohnungen pro Jahr zurück. Zudem machten Wohnungen mit vier oder mehr Zimmern nur noch 15 statt 29 Prozent der gesamten Baufertigstellungen aus. Gleichzeitig stieg die Zahl der fertiggestellten Wohnungen mit einem oder zwei Zimmern um das Zweieinhalbfache von 7.400 auf 19.100 jährlich, der Anteil an allen Fertigstellungen stieg von 25 auf 42 Prozent. Dabei zeigen die Daten, dass die Anzahl von Haushalten ab drei Personen in den A- und B-Städten in den vergangenen Jahren stärker zulegte als die Zahl der kleinen Haushalte.

Mehr Angebot schaffen

„Die Immobilienbranche reagiert auf die wachsende Haushaltszahl derzeit häufig mit der Fertigstellung von Singlewohnungen. Die Zielgruppe der Familien droht aus dem Blick zu geraten“, resümiert Grade. „Um die Mehrbelastung von Singles und Familien aufzufangen, müssen Einzimmerwohnungen und große Wohnungen günstiger werden – das geht nur über ein erhöhtes Angebot.“

Pressekontakt

Jasper Radü
PB3C GmbH
Tel.: +49 40 5409084-21
radue@pb3c.com

Datengrundlagen und weitere Informationen

Dargestellt sind die durchschnittlichen, inserierten Mietpreise (nettokalt) je Quadratmeter Wohnfläche differenziert nach Zimmerzahl. Datengrundlage ist die VALUE Marktdatenbank, eine umfangreiche Sammlung sorgfältig aufbereiteter Immobilienmarktdaten aus mehr als 100 Quellen (Angebotsdaten). Die Sammlung speist sich aus kontinuierlich, deutschlandweit und flächendeckend recherchierten Immobilieninseraten und wurde um Dupletten und Betrugsinserate bereinigt. Bei der Recherche fließen neben den bekannten großen Immobilienmarktplätzen auch kleinere, spezialisierte Internetquellen und Printmedien ein.

Die ausgewerteten Daten basieren auf amtlichen Daten der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder. Datengrundlage ist die Statistik der Baufertigstellungen. Berücksichtigt werden hier alle fertig gestellten Wohnungen im Wohn- und Nichtwohnbau, einschließlich Baumaßnahmen an bestehenden Gebäuden und sowohl in Ein- und Zweifamilienhäusern wie im Geschosswohnungsbau.

Die empirica Regionaldatenbank wird laufend aktualisiert und bietet eine breite, verlässliche Datenbasis für unterschiedliche Fragestellungen. Methodische Änderungen bei den Datengrundlagen werden homogenisiert, alle Daten sind im Zeitverlauf und regional vergleichbar. Daten, wie in diesem Artikel dargestellt, können hier mit einer Vielzahl weiterer Variablen analysiert und verglichen werden. Damit liegt eine große Bandbreite an Themen vor, für die vergleichbare Analysen erstellt werden können.

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