Immobilienpreisindex Q2/2026: "Rasender Stillstand an der Preisfront"
“An der Preisfront im Wohnungsmarkt herrscht aktuell ein rasender Stillstand”, heißt es im aktuellen Kommentar von Dr. Reiner Braun zu den Daten im 2.Q'26 des empirica Immobilienpreisindex. Bei den Kaufpreisen gibt es bundesweit wenig Bewegung, lediglich die Mieten setzen ihren kontinuierlichen Anstieg fort.
Aktuelle Zahlen um empirica Immobilienpreisindex Q2/2026
Im Neubau sinken die Preise für Eigentumswohnungen und Ein-/Zweifamilienhäuser leicht, die Mieten steigen um 0,9%. Zum Vorjahresquartal (2.Q’25) bleibt bei EZFH ein kleines Minus (-0,5%), der Index für ETW steigt leicht (+0,8%), der für die Mieten stärker (+3,4%).
Im Bestand stagnieren die Indices bei Ein-/Zweifamilienhäusern (EZFH) und Eigentumswohnungen (ETW) nahezu. Bei beiden ist im 2.Q’26 eine Veränderung von +0,1% im Vergleich zum Vorquartal. Gegenüber dem Vorjahresquartal (2.Q’25) zeigt sich bei ETW mit 1,5% ein größerer Anstieg, EZFH verzeichnen lediglich einen Anstieg von 0,6%. Das Preisniveau vom Jahresbeginn 2022 bleibt insbesondere für ETW in Reichweite, der Aufholprozess wird aber noch Zeit in Anspruch nehmen.
Der Index für Mietwohnungen im Bestand steigt konstant weiter, in diesem Quartal um 1,0% zum Vorquartal. Der Anstieg um 3,9% im Vergleich zum 2.Q’25 zeigt im Gegensatz zu ETW und EZFH weiter seinen konstanten Trend ohne Hinweis auf eine Trendwende.
Datenbasis empirica Immobilienpreisindex
Alle Daten des empirica Immobilienpreisindex können als Einzeldatensatz oder über einen Datenbankzugang bei empirica regio bezogen werden. Weitere Zahlen finden Sie in der quartalsweise erscheinenden Publikation zum Index.



Der aktuelle Kommentar von Dr. Reiner Braun: Immobilienwirtschaftliche Zahlenakrobatik
An der Preisfront im Wohnungsmarkt herrscht aktuell ein rasender Stillstand. Verantwortlich dafür sind zwei gegeneinander wirkende Kräfte: Zum einen erschweren die seit Jahresbeginn wieder gegen vier Prozent gestiegenen Zinsen die Finanzierung und drücken so die Preise nach unten. Zum anderen verknappt die anhaltende Neubaukrise das Angebot und treibt so die Preise nach oben. Das Ergebnis ist ein unentschiedenes Nullsummenspiel. Dennoch deuten Analysten jede minimale Schwankung eifrig als Trendwende – je nach eigenem Blickwinkel.
Die allgemeine Verwirrung komplettieren zwei aktuelle Thesen: der Mythos vom „Silver Tsunami“ und die Legende vom „falschen Neubau“. Beide lassen sich schnell entkräften.
Die Angst vor dem „Silver Tsunami“ – einer plötzlichen Flut an Immobilien durch das Ableben der älteren Generation – ignoriert die Biologie. Die Babyboomer verteilen sich auf rund 15 Jahrgänge. Deren Sterblichkeit streckt sich über jeweils 15 bis 20 Jahre. Statt einer Welle ergießen sich die Erbschaften also über 35 Jahre hinweg als eher kleine Bäche auf den Markt. Zudem sind die Preise auf dem Land ohnehin schon niedrig; ein Preis-Tsunami findet dort mangels Fallhöhe gar nicht statt.
Auch die Behauptung, es würde „falsch“ gebaut, ist falsch. Der Neubau auf dem Land steht ja nicht leer. Rein quantitativ ist er zwar oft überflüssig, qualitativ trifft er jedoch ins Schwarze. Leer steht dort lediglich der unbewohnbare Altschrott. Würde dieser Neubau fehlen, wäre die Alternative für die Landbevölkerung, ebenfalls in die Städte zu ziehen, um dort für Enteignungen zu demonstrieren.
In den Städten selbst fehlen - entgegen aller Unkenrufe - gerade die großen Wohnungen. Wenn dort kleine Wohnungen besser zu vermarkten sind, dann liegt das nicht an der Größe, sondern am Preis. Und daran trägt die urbane Bevölkerung durch ihr Wahl- und Protestverhalten eine Mitschuld: Die von ihr gewählten Politiker weisen zu wenig Bauland aus, die Bürger selbst verhindern Projekte per NIMBY-Protest („Not In My Backyard“) und ein ideologisch überladenes Bau- und Mietrecht gibt dem urbanen Neubau den Rest.
Gibt es also einen Silver Tsunami? Nein. Bauen wir am Bedarf vorbei? Nein. Bauen wir zu teuer? Ja. Stagnieren die Preise? Ja.